Agentur zum Auf- und Ausbau niedrigschwelliger Betreuungsangebote
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Projektaufbau

 

Bisher sind in den vergangenen Jahren in Bayern circa 900 anerkannte Angebote entstanden.Gerade in den Ballungsräumen sind viele Angebote zu finden, in ländlicheren Regionen existieren nur wenige Angebote.

Natürlich bedarf es einer gewissen Vorlaufzeit bevor Sie mit dem Angebot starten können. Die unten stehenden Hinweise sollen Sie unterstützen und als Leitfaden zum erfolgreichen Weg zur Anerkennung und Durchführung dienen.

 

1. Bedarf feststellen

Im Rahmen einer Bedarfsanalyse erfahren Sie welche Angebote bereits in Ihrer Region verortet sind. In Bayern gibt es Regionen, in denen es sehr viele Angebote gibt, in denen aber durchaus bestimmte Angebote fehlen (z.B. Betreuungsgruppen) oder in denen es gar keine Angebote gibt. Die Agentur zum Auf- und Ausbau von Angeboten zur Unterstützung im Alltag ist ihnen hier gerne behilflich.

Zudem ist es sinnvoll, sich über andere Angebote (z.B. Tagespflege, ambulante Pflegedienste) und über die Nachfrage bei anderen Anbietern von Angeboten zur Unterstützung im Alltag zu informieren.

Führen Sie Gespräche mit Multiplikatoren in Ihrer Region (z.B. Kommune, Ärzte, Fachstellen für pflegende Angehörige, Pflegestützpunkte, Wohlfahrtsverbände etc.), um herauszufinden, welches Angebot am sinnvollsten ist, so finden Sie gleichzeitig Unterstützer. Diese Gespräche können auch der Türöffner bei Trägern sein.

 

2. Art des Angebots festlegen

Kennen Sie den Bedarf, dann sollten Sie sich für ein Angebot entscheiden.

Die Erfahrung  hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, zunächst mit einem Angebot zu beginnen und andere Angebotsformen erst dann zu installieren, wenn sich das erste Angebot etabliert hat.

Wenn Sie sich für eine Betreuungsgruppe entschieden haben, kann es zweckmäßig sein, ergänzend eine Angehörigengruppe aufzubauen.

Bitte beachten Sie: Der Aufbau von Qualitätsgesicherter Tagesbetreuung in Privathaushalten, Alltags- und Pflegebegleitern ist nur möglich, wenn trägerseitig mindestens ein weiteres Betreuungsangebot vorgehalten wird (also Betreuungsgruppe, Ehrenamtlicher Helferkreis, ggf. Tipi). 

 

3. Konzeptentwicklung

Als nächsten Schritt sollten Sie ein Konzept für Ihr Betreuungs- oder Entlastungsangebot erstellen. Das Konzept erleichtert die Suche nach einem Träger, da Sie klare Vorstellungen von dem haben, was Sie brauchen.

Dabei können Sie sich an einer Gliederung der Agentur zum Auf- und Ausbau von Angeboten zur Unterstützung im Alltag orientieren. 

Ihr Konzept sollte auch Überlegungen zur Finanzierung Ihres Angebots, der Höhe der Aufwandsentschädigung für die Ehrenamtliche und der Öffentlichkeitsarbeit beinhalten.

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre für Projektinitiatoren. (bitte beachten Sie, diese wird derzeit überarbeitet)

 

4. Suche nach einem Träger

Sie haben verschiedene Möglichkeiten mit Ihrem Angebot zu starten, auf der Seite "Träger und Anbieter/Allgemein" haben wir bereits darauf verwiesen. Hier möchten wir Ihnen die Vorteile der Anbindung an einen bestehenden Träger vorstellen.

Die Anbindung an einen Träger hat Vorteile:

  • Kontakte zu Einrichtungen und pflegenden Angehörigen
  • Fachliche Unterstützung und ggf. interessierte Fachkraft als Leitung
  • Erfahrungswerte
  • Außendarstellung

 Als Träger kommen u.a.  in Frage:

  • Wohlfahrtsverbände
  • Fachstellen für pflegende Angehörige
  • Gemeinnützige Vereine
  • Kommunen
  • Einrichtungen der Altenhilfe
  • Nachbarschaftshilfen
  • Mehrgenerationenhäuser    
  • etc.

 Mit dem Träger sollten folgende Fragen geklärt werden:

  • Wie findet die Anbindung statt? (Struktur, andere Angebote)
  • Welche personellen und zeitlichen Ressourcen stehen zur Verfügung?
  • Gibt es geeignete Räumlichkeiten?
  • Wer ist beim Träger zuständig? Wie wird die Vertretung geregelt?
  • Wie kann das Angebot finanziert werden?
  • Wie sind die Kosten kalkuliert?
  • Sind die Ehrenamtlichen über den Träger versichert?
  • Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen aus?
  • Was bedeutet das Angebot für den Träger?


 5. Suche nach einer Fachkraft

Für den Aufbau und die Durchführung von Angeboten zur Unterstützung im Alltag ist es wichtig, eine geeignete Fachkraft mit psychiatrischer, gerontopsychiatrischer, sozialpädagogischer oder heilpädagogischer Erfahrung zu haben, die die Leitung übernimmt, z.B. :

  • eine Pflegefachkraft mit einer einschlägigen Fort- oder Weiterbildung oder mit Erfahrung im Bereich der Psychiatrie und Gerontopsychiatrie
  • eine Heilerziehungspflegerin bzw. ein Heilerziehungspfleger
  • eine Heilpädagogin bzw. ein Heilpädagoge oder
  • eine Sozialpädagogin bzw. ein Sozialpädagoge
  • sowie Personen, die über eine vergleichbare Qualifikation verfügen (Einzelfallprüfung!)

 

Die Fachkraft soll eine zweijährige Berufserfahrung haben. Von Vorteil sind Erfahrungen im Bereich ehrenamtliches Engagement, Selbsthilfe und Angehörigenberatung.

Hilfreich ist es, wenn die Fachkraft in der Gemeinde gut bekannt und vernetzt ist. Bei Fragen zur Qualifikation und ggf. einer Einzelfallprüfung können Sie sich gerne an die Agentur zum Auf- und Ausbau von Angeboten zur Unterstützung im Alltag wenden.

 

6. Vorbereitungsphase

 

Öffentlichkeitsarbeit

Beginnen Sie frühzeitig mit der Öffentlichkeitsarbeit, damit machen Sie auf Ihr geplantes Angebot aufmerksam und werben Ehrenamtliche und interessierte pflegende Angehörige. Hierzu erstellen Sie Handzettel oder kurze Artikel für Ihr Gemeindeblatt. Machen Sie deutlich, warum Ihr Angebot wichtig für pflegende Angehörige ist und warum sich Ehrenamtliche bei Ihnen melden sollten.

Ehrenamtliche

Ehrenamtliche können Sie z.B. über die lokale Presse, Kirchengemeinden, Freiwilligenagentur, usw. auf Ihr Angebot aufmerksam machen.

Mit Ehrenamtlichen, die sich für einen Einsatz interessieren, führen Sie ein Erstgespräch.

Die interessierten ehrenamtlichen Helfer qualifizieren Sie in einer Schulung mit den vorgschriebenen Inhalten des jeweiligen Angebotsformats. Bitte beachten Sie, Sie können sich die Schulung vom ZBFS fördern lassen, dazu brauchen Sie aber 8 Teilnehmer als Mindestteilnehmerzahl. Schulungen können Sie selbst durchführen, wenn Sie die entsprechende Qualifikation vorweisen können. Wenn nicht, finden Sie weitere Informationen und Kooperationspartner auf unserer Seite Schulungsbörse.

WICHTIG: Bitte beachten Sie, dass Ihr Angebot erst beginnen kann, wenn die Ehrenamtlichen ihre Schulung abgeschlossen haben. Ein voriger Einsatz darf nicht erfolgen. Nutzen Sie die Gelegenheit und führen ein zweites Gespräch mit dem Ehrenamtlichen, um sicherzustellen, dass sich der Helfer/die Helferin tatsächlich für den Einsatz eignet. Es empfiehlt sich eine Vereinbarung zwischen Ihnen als Anbieter und dem Ehrenamtlichen zu schließen in dem kurz die wichtigen "Spielregeln" des Einsatzes benannt sind.

Formalitäten

Zum Ende der Vorbereitungsphase müssen Sie endgültig festzulegen, wie hoch ggf. die Aufwandsentschädigung für die Ehrenamtlichen ist, wie die Rechnungsstellung abläuft, wie die Ehrenamtlichen Ihre Einsätze nachweisen, etc. 

Bei Fragen können Sie sich hier gerne an die Agentur zum Auf- und Ausbau von Angeboten zur Unterstützung wenden. Folgende Formulare sollten Sie haben:

Zur Abrechnung mit den Pflegekassen ist,  insbesondere falls Sie direkt mit der Pflegekasse abrechnen wollen eine sog. "Abtretungserklärung" notwendig. Falls Sie dies nicht möchten, können Sie auch Rechnungen versenden. Diese kann dann vom Pflegebedürftigen oder seinen Angehörigen bei der Pflegekasse eingereicht werden. 

Die Antragsstellung zur Anerkennung als Träger bzw. Anbieter übernimmt das Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS). Der Antrag zur Anerkennung der Angebote ist an keine Frist gebunden und jederzeit möglich. Die Anträge finden Sie im "Werkzeugkoffer".

Die Anträge zur Förderung bearbeitet ebenfalls das ZBFS. Hier besteht eine Frist bis 31.12. des jeweiligen Jahres um für das darauffolgende Jahr eine Förderung erhalten, z.B. gewünschte Förderung für 2018, Antrag bis 31.12.2017

Wir empfehlen um Missverständnissen vorzubeugen eine Versenung der Anträge jeweils mit Einschreiben.

 

Betroffene und pflegende Angehörige

Nutzen Sie, um TeilnehmerInnen zu finden, aktiv die Kontakte, die Sie zu Beginn aufgebaut haben!

Mit interessierten pflegenden Angehörigen führen Sie ein erstes Informationsgespräch. Hilfreich ist es, wenn sich die Angehörigen dazu bereit erklären einen Biographiebogen für den Pflegebedürftigen auszufüllen. Erklären Sie das Angebot und den Ablauf genau und informieren Sie, ab wann es beginnen kann.

Vermitteln Sie,  dass es sich um ein Angebot mit Ehrenamtlichen handelt, es keine bürokratischen Hürden für die Familien gibt und das, dass Angebot jederzeit wieder beendet werden kann.

 

7. Auftaktveranstaltung

Die Erfahrung zeigt, dass es sich bewährt hat eine öffentliche Auftaktveranstaltung zu organisieren. Laden Sie über Medien rechtzeitig dazu ein und laden Sie Multiplikatoren (z.B. Ärzte, Fachstellen für pflegende Angehörige, Politiker etc.) persönlich ein. Mögliche Themen für eine Auftaktveranstaltung sind Demenz, Entlastung von Angehörigen, Ablauf einer Betreuungsgruppe u.ä.

Legen Sie eine Liste für interessierte Ehrenamtliche und für Angehörige aus, in die sie ihre Kontaktdaten eintragen können.

 

8. Ihr bestehendes Angebot zur Unterstützung im Alltag!

Ihr Projekt hat es nach der Aufbauphase endlich geschafft! Nun beginnt das "Alltagsgeschäft": Durchführung der Gruppen, Planung der Einsätze von Ehrenamtlichen, Begleitung der Ehrenamtlichen, Werbung neuer TeilnehmerInnen, usw.

Scheuen Sie sich nicht, am Anfang "kleine Brötchen" zu backen und haben Sie Geduld!

 

 

 

Kontaktdaten

Agentur zum Auf- und Ausbau von Angeboten zur Unterstützung im Alltag

Spitalgasse 3
90403 Nürnberg

Telefon: 0911 - 37 77 53 26
 info(at)unterstuetzung-alltag-bayern.de