Agentur zum Auf- und Ausbau niedrigschwelliger Betreuungsangebote
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„Ehrenamtliche Helfer“ sind die Basis der Angebote zur Unterstützung im Alltag. Menschen stellen freiwillig ihre Zeit zur Verfügung.

Sie betreuen pflegebedürftige Menschen und entlasten ggf. pflegende Angehörige in ihrer Freizeit durch die Übernahme der stundenweisen Betreuung.

Ziel ist es ein qualitätsvolles, aber bezahlbares niedrigschwelliges Angebot für Betroffene und pflegende Angehörige zu schaffen. Dies ist jedoch nicht ohne die Arbeit mit qualifizierten ehrenamtlichen Helfern möglich. Des Weiteren ist die Arbeit mit Ehrenamtlichen oftmals Voraussetzung für eine Anerkennung und Förderung des Angebots.

Freiwilligensurvey Bayern 2014

Laut  dem „Freiwilligensurvey Bayern 2014 – Ergebnisse und Trends“ des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend engagieren sich bereits  47 Prozent der Menschen in Bayern ehrenamtlich.  Weitere 30 Prozent der Befragten wären bereit sich zu engagieren.

Im Freiwilligensurvey finden sich ebenfalls interessante Informationen zu den Erwartungen an das freiwillige Engagement. Hier steht für 93 Prozent der Befragten der Spaß an der Tätigkeit im Vordergrund. Und für 82 Prozent die Möglichkeit die Gesellschaft mitzugestalten. Aber auch das Zusammenkommen mit anderen Menschen und anderen Generationen hat lt. der Befragung einen hohen Stellenwert bei der Motivation der Helfer.

So engagieren sich die meisten ehrenamtlichen Helfer im Bereich des Sports und im sozialen Bereich. Der Gesundheitsbereich ist noch ausbaufähig.

Um ehrenamtliche Helfer zu finden und zu halten sollten einige Punkte beachtet werden. Zum Einen geht es natürlich darum, wer den Anstoß zum Engagement gibt. Oftmals sind das die leitenden Personen der späteren Einsatzgebiete (52%). Aber auch Freunde und die Familie können zum Ehrenamt motivieren.

Zum Anderen sind die Wünsche der Freiwilligen an die Organisation, in der sie sich betätigen, ein wichtiger Punkt. So wünschen sich 43 Prozent eine fachliche Unterstützung und Weiterbildungsmöglichkeiten. Und auch die Hauptamtlichen sind gefragt, indem sie die Freiwilligen in ihrer Arbeit und ihrem Tun anerkennen. 

Fazit: Nutzen Sie den "Freiwilligen Survey" als Grundlage für Ihre Arbeit mit Ehrenamtlichen Helfern. Er dient als Leitfaden um ehrenamtliche Helfer zu finden und halten zu können.

Ehrenamtliche sind keine Arbeitnehmer

Bitte beachten Sie Ehrenamtliche sind keine Arbeitnehmer. Sie übernehmen eine Aufgabe freiwillig, die von ihnen viel Einsatz und Verlässlichkeit fordert.

Dennoch bleibt es eine Aufgabe, die sie selbst mitbestimmen wollen. Eine Zuordnung zu Familien sollte in Absprache zwischen dem Träger und dem Ehrenamtlichen erfolgen und auch die Einteilung auf Dienstpläne sollte vermieden werden.

Freiwillige engagieren sich, weil ihnen eine Tätigkeit Freude bereitet, sie neue Kontakte knüpfen oder auch helfen wollen. Dennoch suchen sie keinen „Job“.

Den Stellenwert des ehrenamtlichen Arbeit, gerade in der Zusammenarbeit muss jeder Träger selbst festlegen und organisieren. Für die Zusammenarbeit müssen aber immer die notwendigen Ressourcen (zeitlich, wie finanziell) zur Verfügung gestellt werden, da Ehrenamt weder umsonst noch kostenlos ist.

Aufwandsentschädigung

Bei niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangeboten, wird den Ehrenamtlichen häufig eine kleine Aufwandsentschädigung für die durch den Einsatz entstanden Auslagen gezahlt. In der Regel wird eine Pauschale vereinbart, die die Ausgaben wie z.B. Fahrtkosten, Telefon abdeckt.

Bei Bemessung der Aufwandsentschädigung ist darauf zu achten, dass es sich beim Ehrenamt um freiwilliges und unentgeltliches Engagement handelt, in die Bürgerinnen und Bürger ihre Zeit, ihr Wissen etc. anderen zur Verfügung stellen und nicht um eine bezahlte berufliche Tätigkeit. Damit diesen engagierten Bürgerinnen und Bürgern keine Kosten oder Auslagen entstehen, ist eine Aufwandsentschädigung vorgesehen. Diese Aufwandsentschädigung hat nichts mit einem Entgelt für die erbrachte Leistung zu tun. Allenfalls kann sie zusätzlich als kleine Anerkennung dienen.

Das sollten Sie bei der Bemessung der Höhe der Aufwandsentschädigung bedenken und insbesondere darauf achten, dass kein Missverhältnis zu den in vielen Berufen üblichen Stundenlöhnen entsteht und die Aufwandsentschädigung unangemessen hoch ausfällt. Nur so können niedrigschwellige Angebote kostengünstig für die Betroffenen und Angehörigen sein, und eine regelmäßige und dauerhafte Entlastung bezahlbar bleiben.

Werden durch die Aufwandsentschädigung nur die tatsächlich entstandenen und nachgewiesenen Auslagen ausgeglichen, unterliegen sie nicht der Einkommenssteuerpflicht.

Werden die Auslagen pauschal ersetzt, sind sie einkommenssteuerrelevant. Hier kommt eine Steuerbegünstigung im Rahmen der sogenannten Übungsleiterpauschale in Betracht.

§ 3 Nr. 26 EStG sieht eine Steuerbegünstigung für bestimmte ehrenamtliche Tätigkeiten in gemeinnützigen Organisationen vor. Dazu gehört die nebenberufliche Betreuung für eine gemeinnützige Organisation. Hierfür ist ein Steuerfreibetrag von 2.400 Euro im Jahr vorgesehen. Weitere Hinweise finden Sie in der Anlage „Aufwandsentschädigung im Ehrenamt“.

Haftpflichtversicherung

Die Haftpflichtversicherung deckt durch den Ehrenamtlichen verursachte Schäden ab. Wie auch im Arbeitsrecht richtet sich die Haftung nach der Schuldfrage. Der Ehrenamtliche bleibt grundsätzlich verantwortlich für Schäden, die er grob fahrlässig oder vorsätzlich verursacht. Der Geschädigte kann sich generell an den Träger oder Ehrenamtlichen wenden. Für „leicht fahrlässige“ Schäden besteht ein Freistellungsanspruch gegenüber dem Träger. Diese Risiken sollten durch eine Haftpflichtversicherung abgedeckt sein und zwar durch den Träger, nicht die private Versicherung des Ehrenamtlichen. Hierfür kann der Träger eine Sammelhaftpflichtversicherung abschließen. Für die Anerkennung und Förderung muss der Versicherungsschutz für die Ehrenamtlichen nachgewiesen werden.

Unfallversicherung

Mit einer Unfallversicherung werden Schäden abgedeckt, die der Ehrenamtliche selbst erleidet. Sie deckt zunächst Arbeits- und Wegeunfälle ab. In den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung sind Ehrenamtliche im Gesundheitswesen und der Wohlfahrtspflege miteinbezogen. Träger der Unfallversicherung ist die zuständige Berufsgenossenschaft.

Fahrdienste

Sollten die Ehrenamtlichen die Gäste mit dem eigenen PKW befördern, ist der Abschluss einer Dienstfahrtvollkaskoversicherung sinnvoll und ebenso sollte die Rückstufung in der gesetzlichen Versicherung bei einem Schaden durch eine „Schadensfreiheitsrabatt-Rückstufungs-Versicherung“ geklärt sein.

Folgende Hinweise helfen Ihnen als Träger beim Einsatz von ehrenamtlichen Helfern

Planung

Bei der Planung gilt es zu beachten, dass jeder Träger seine eigene Struktur und damit auch sein eigenes Vorgehen hat. Bei der Arbeit mit Ehrenamtlichen ist es wichtig eine gewisse Flexibilität zu bewahren, da die Ehrenamtlichen nicht mit einem Vertrag an die Organisation gebunden sind und auf die Bedürfnisse des Helfers eingegangen werden sollte.

Folgende Stichpunkte können die Träger bei der Planung unterstützen: 

Bedarf einschätzen:

  • Wie viele ehrenamtlichen Helfer benötige ich?
  • Was soll mit den ehrenamtlichen Helfern erreicht werden?

 Aufgabenprofile entwickeln

  • Zeitliche Eingrenzung
  • Inhaltliche Eingrenzung
  • Abgrenzung zwischen Haupt- und Ehrenamt
  • Welche Erfahrungen, Fähigkeiten, Kompetenzen werden benötigt?
  • Zielgruppe festlegen (Geschlecht, Alter, Vorkenntnisse, geographische Kriterien, Interessen, Hobbys, …)

Organisation festlegen und strukturelle Rahmenbedingungen vorgeben

  • Wer ist der Ansprechprechpartner?
  • Was sind die Aufgaben des Ansprechpartners? (Werbung, Auswahl, Unterstützung bei Einarbeitung, Planung und Koordination von Einsätzen, Gestaltung der Anerkennung, Merkblätter erstellen…)
  • Versicherungsschutz klären
  • Welche Räumlichkeiten werden gebraucht?
  • Welche Räumlichkeiten stehen zur Verfügung?
  • Welche Kontaktmöglichkeiten gibt es?
  • Gibt es feste Bürozeiten

 

Gewinnung

Folgende Möglichkeiten zur Gewinnung von ehrenamtlichen Helfern haben Sie:

  • Direkt, persönliche Ansprache
  • Pflegende Töchter/Söhne für das Projekt begeistern
  • Infos an Kontenpunkten/Orten auslegen
  • Pressearbeit (Lokalpresse, Berichte ü. neue Entwicklungen, …)
  •  Stellenausschreibung mal anders
    • Erst die Benefits des Ehrenamts aufzählen und dann die Suche nach neuen Ehrenamtlichen anhängen
  •  Porträt eines Ehrenamtlichen in der Zeitung
    • Was gibt mir das Ehrenamt?
    • Was bringt mir das Ehrenamt?
    • Vielfältigkeit des Ehrenamts aufzuzeigen und dadurch Interesse an dem Projekt schaffen bzw. Schulungen können so beworben werden
  •  Aktivitäten (Feste, Tag der offenen Tür, Angehörigenabende, Pflegekurse, …)
  • Kontakte zu Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens
  • Einrichtungsinterne Maßnahmen (Hauszeitung, Infoveranstaltungen für Mitarbeiter)
  • Klassische Werbung (Anzeigen, Plakate, Flyer, …)
  • Helfer aus anderen Helferkreisen übernehmen, z.B. Asylhelferkreis, wenn die Zahl der zu begleitenden Asylbewerber zurückgeht
  • Freiwilligen-/Ehrenamtsbörsen oder Messen nutzen um neue Helfer zu gewinnen
  • Firmen ansprechen
    • Kleine Schulungen, Infoveranstaltungen im Unternehmen organisieren
    • Mitarbeiter kurz vor der Rente ansprechen
  •  Kurzveranstaltungen organisieren, um potentielle Ehrenamtliche zu finden, anzusprechen und zu informieren
  • Zielgruppe wechseln ((z.B. werden Männer unterbewusst ausgeschlossen, durch andere Aufgaben wird das Ehrenamt auch für Männer interessant (Fahrdienste, Rasen mähen, Berggruppen, Schafkopfen, etc.))

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

  • Welchen Zugangsweg nehmen Freiwillige
  • Mit welchen Maßnahmen werden bislang ehrenamtliche Helfer angesprochen – mit welchen nicht?
  • Welches Vorgehen hat sich bewährt?

Erstgespräch und Matching

  • Welche Merkmale sind Ihnen für Ihre ehrenamtlichen Helfer wichtig?
  • Worauf muss beim Erstgespräche geachtet werden? (Eignung; Infos geben; Zusammenarbeit zw. Haupt- & Ehrenamtlichen; „Chemie“ muss stimmen; Bereitschaft an Schulungen, Fortbildungen teilzunehmen; Motive für Ehrenamt; Zeitlicher Umfang; Rahmenbedingungen (Aufwandsentschädigung, Versicherungen, Schulungen und Fortbildungen)
  • Eine Entscheidung über die Eignung eines ehrenamtlichen Helfers kann auch erst nach der Schulung gefällt werden. Bei der Suche nach Ehrenamtlichen sollten die hauptamtlichen Mitarbeiter möglichst von Anfang an mit einbezogen werden.

Anerkennung

Das Thema Anerkennung der ehrenamtlichen Helfer und ihrer Arbeit ist wichtig um die Ehrenamtlichen zu halten und deren Arbeit wertzuschätzen. Folgende Möglichkeiten können bei der Anerkennung der Helfer unterstützen.

Zum Beispiel: 

  • Persönliche Glückwunschkarte zum Geburtstag
  • Respekt und Vertrauen entgegenbringen
  • An Entscheidungen beteiligen
  • Mitbestimmung und Mitgestaltung
  • Öffentliche Aufmerksamkeit generieren, lokale Presseberichte
  • Ehrungen
  • Gemeinsames Feiern, gemeinsame Aktivitäten
  • Ehrenamtskarte
  • 1. Hilfe Kurse kostenlos anbieten
  • Neujahrsfrühstück

Qualitätssicherung

Zu den Angeboten zur Unterstützung im Alltag gehören zwei Bausteine zur Qualitätssicherung. Zum einen die Zufriedenheit der Betroffenen und der pflegenden Angehörigen.

Diese kann z.B. durch einen Fragebogen oder ein persönliches Gespräch in Erfahrung gebracht werden.

Der zweite Baustein ist die Zufriedenheit der ehrenamtlichen Helfer mit ihren Aufgaben, der Organisation und der Unterstützung bei Schwierigkeiten, etc.

Diese Themen sollten in regelmäßigen Abständen abgefragt werden, damit Lösungen gefunden werden können. Dadurch kann auch ein Abspringen/Verlust von ehrenamtlichen Helfern und Betroffenen vermieden werden.

 

Weitere Informationen?

Falls Sie weitere Informationen oder eine Beratung zum Thema haben wenden Sie sich bitte an die Agentur zum Auf- und Ausbau von Angeboten zur Untertsützung im Alltag, wir unterstützen Sie gerne.

Senden Sie am besten ein E-Mail unter  info(at)unterstuetzung-alltag-bayern.de

 

 

Kontaktdaten

Agentur zum Auf- und Ausbau von Angeboten zur Unterstützung im Alltag

Spitalgasse 3
90403 Nürnberg

Telefon: 0911 - 37 77 53 26
 info(at)unterstuetzung-alltag-bayern.de